Samstag, 29. Januar 2011

Statusnachricht

Sehr geehrte Leser

Es wundert Sie sicher nicht, dass hier seit einiger Zeit nichts mehr geschrieben wird.
Zurzeit mache ich eine Pause vom Schreiben (manche würden es wohl eine "kreative Pause" nennen, wie auch immer).
Da ich derzeit an einer Arbeit schreibe und mich auch auf Prüfungen, die mich in den nächsten Monaten erwarten, vorbeireite, finde ich meinen Ausgleich mehr im Sport und im Lesen/sich treiben lassen als im tiefgründigen Nachdenken und Schreiben.
Spätestens im Sommer, für den ich schon einiges geplant habe, erhoffe ich mir den nötigen Freiraum, sodass ich diesen Blog wieder mit Schriftstücken und Fotos füllen kann .

Natürlich bleibt der Blog in der Zwischenzeit zugänglich und vielleicht wird auch der ein oder andere Post erscheinen. Da ich gegenwärtig weder Zeit noch Lust habe, die alten Artikel hier zu sortieren (und obsolete Artikel zu entfernen) entsprechen manche u.U. nicht mehr meinen aktuellen Ansichten bzw. sind nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Es würde mich freuen, Sie dann wieder als Leser dabei zu haben ;)

Farewell...

Mimir

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Die Leidenschaft des Lesens

Ja, ich lebe noch.

Die Reclam-Bücher faszinieren mich. Mit ihrem eigentlich unscheinbaren "Design", die Schlichtheit eines Telefonbuchs aber dennoch den Stil eines Kaffehauses, stechen sie ironischerweise doch heraus. Für ein paar Euros gibts im Gegenzug 'ne Menge Papier und meisten auch 'ne Menge Wissen.
Was mich so fasziniert: In der gelben Papierhülle steckt so viel Wissen - unglaublich - ja, die Weltformel könnte darin verborgen sein. Und gerade das macht es so schön. So viel Wissen so kompakt, so bescheiden, so schlicht verpackt - ohne viel Schnickschnack. In einem unscheinbaren gelben, kleinen Büchlein, das in die Hemdtasche passt könnte genauso die Erklärung für alles drin sein, wie auch ein billiger Toilettenroman.

Die Lust am Lesen...
Wenn man lange Zeit kein Buch gelesen hat, braucht es oft einen kleinen Schubs, bis man wieder eines liest. Ist man aber erst einmal wieder im Rhythmus, erfreut man sich umso mehr an der wiederentdeckten Leidenschaft. Das ist ganz ähnlich wie beim Training (Sport) - nur kommt man beim Sport viel leichter aus dem Rhythmus als beim Lesen.
Das Internet ist, wie auch der Fernseher, eine Verlockung gegenüber dem Lesen (wie ja schon zuvor ausführlich behandelt), allerdings kann ein PDF-File, oder ein Buch auf dem Bildschirm (auch eBook genannt) ein Buch nicht ersetzen, und das wird es wohl auch nie.
Da Sie diesen Text lesen, bedeutet das, dass Sie ja ohnehin etwas lesen wollten, also fordere ich Sie hiermit auf, den Browser zu schließen, den PC herunterzufahren, das Handy auszuschalten und das Buch aufzuschlagen, das verstaubt auf dem Nachttisch liegt. Keine Angst, niemand hat Ihnen in der Zwischenzeit auf Facebook geschrieben und in Ihrem GMX-Posteingang gibt es zwar neue E-Mails, allerdings wünscht Ihnen die Supermarktkette, bei der Sie Ihre Kundenkarte haben nur wieder mal die besten Wünsche fürs neue Jahr und informiert Sie über den Fusel der gerade im Angebot ist. Also; stehen Sie auf!

JETZT!

Donnerstag, 16. September 2010

Vlogging, Blogging, Twitter und die Manie der Selbstdarstellung

---Eine kurze Geschichte der Profilierung---

Das Wort "Blog" ist eine Art Kunstwort, welches wiederum aus dem Kofferwort "Weblog" entstand. Web dürfte klar sein und "log" bedeutet soviel wie "Tagebuch", oder eben Bericht/Logbuch oder auch als Verb "to log" also "aufzeichnen". Der/das Blog war die erste offizielle Möglichkeit, die unnötigsten Geschehnisse des Alltags, aber auch Routinetätigkeiten der ganzen Welt mitzuteilen. Ich blogge, du blogst, er, sie, es, blogt und kaum ein Jahr später blogst du, er, sie, es, und auch ich nicht mehr, denn es wird gezwitschert. Twitter, übersetzt "Zwitscher" heißt die neuere Form der Profilierung.
Während man beim Bloggen noch als besonders empfundene Alltagsgeschehnisse, sei es nun ein neues MakeUp, der Friseurwechsel oder das Treffen mit einem realen Freund, mitteilte, darf oder sollte man einfach alles zwitschern, ob man nun gerade seinen allmorgentlichen Stuhlgang hat, isst, schläft oder gerade lebt oder nicht mehr lebt, denn schließlich will ja jeder wissen, was man gerade macht. Ein Abgesang per iPhone und das Requiem findet virtuell in Facebook-Gruppen statt. Der Vorteil: Der Staat liest ohenhin mit und der Gang zum Standesamt entfällt somit.
Das Gezwitscher wurde aber wieder leiser und Facebook rückte in den Vordergrund. Die Histrioniker unter uns erfreuen sich an der Möglichkeit, ihren Freunden, aber auch den Konzernen, nun auch ihr Konsumverhalten mitteilen zu können.
Das auf zahlreichen Videoportalen zum Trend gewordene "Vloggen" ist ein weiteres Kunstwort, wobei das V für Video steht, und genauso stumpfsinnig ist, wie das Wort selbst klingt.

---WIESO??---

Ich kann ja noch irgendwo die Leute verstehen, die bloggen oder vloggen, sie scheinen einfach einen manischen, wenn nicht sogar pathologischen Mitteilungs- und Profilierungsbedarf und einen mehr oder weniger latenten Hang zum Exhibtionismus zu haben, aber was ich nicht verstehe sind jene Leute, die es sich auch noch ansehen bzw. lesen! Wenn es wenigstens interessante, hilfreiche oder lehrreiche Sachen wären, aber es gibt Videos, wo einfach der etwas wohlhabendere überdurchschnitsgewichtige Herr Vlogger aus den Vereinigten Staaten mit seiner Durchschnittsfamilie einkaufen geht oder seine Kinder zur Schule bringt, also da passiert einfach nichts Relevantes und dennoch haben diese Videos hunderttausende Views. Wie ist das möglich? Lange Zeit habe ich nachgedacht, warum man sich so etwas ansieht. Dann habe ich als letzte mögliche Lösung gesehen, dass es vielleicht Menschen sind, die selbst keine Familie haben, sich aber eine wünschen o.Ä. oder die eben selbst Eltern in einer Familie sind, und für die es wie eine Art Informationsaustausch ist, denn bei einem Kaffeeplausch, wo zwei Familienmütter und/oder -väter aufeinandertreffen, wird ewig genau über solche leeren Dinge, ganz besonders auch Haustiere stundenlang erzählt, aber dann sah ich mir die Statistiken bei den Vlogs an (übrigens eine sehr hilfreiche Innovation, mein Lob an YouTube; Marktforscher und Psychologen jubeln) und die Zielgruppen der Vlogs sind nicht etwa Männer und Frauen über 25 (durchschnittliches Alter in dem man beginnt, an Familie zu denken) sondern Jugendliche! 13-20!!Unglaublich. Genauso absurd: einer der meistabonnierten Kanäle auf YouTube gehört einem Mann, der in seinen Videos lediglich andere, von ihm als sehenswert oder lustig empfundene YouTube-Videos, mit vorhergehendem knappen Kommentar seinerseits, präsentiert. Wäre Freud noch am Leben, so würde er es wohl auf latenten Voyeurismus zurückführen, aber für solche Leute hat das Internet dann wohl doch etwas mehr zu bieten, als nur Vlogs. Ich kann mir dieses Phänomen jedenfalls nicht so recht erklären.

---Wer im Glashaus sitzt...---

Und ja, natürlich bin ich mir der Ironie bewusst, in einem Blog das Blogging zu kritsieren, andererseits gehört dieser Blog, wie schon des Öfteren erwähnt, zu jenen, die einigermaßen sinnvoll genutzt werden. Ich berichte hier von erwähnenswerten Erlebnissen, die gleichzeitig auch die Möglichkeit für den Leser bieten, Informationen zu sammeln (falls er/sie z.B. auch eine solche Wanderung zu unternehmen gedenkt...) und möchte meine schönen Erfahrungen gewissermaßen mit den Lesern teilen. Was manch einer als unwichtige Details empfindet, gehört zu meinem Schreib- bzw. Erzählstil. Neben den Erzählungen möchte ich auch Denkanstöße liefern, und natürlich auch eigene Theorien und Stellungnahmen zu denen natürlich jeder herzlich eingeladen ist, zu kritisieren.

Es ist für mich übrigens keine nachvollziehbare Antwort, wenn mir nun jemand antwortet, er vlogge, weil auch er seine Erlebnisse mit der "Welt da draußen" teilen möchte. Ich empfinde jedenfalls einen Friseurbesuch oder Alltagsroutine einfach nicht als teilenswert, aber vielleicht sehen die Zuseher der "Vlogs" das ja tatsächlich anders...Man möge mich bitte aufklären.

Mit besten Grüßen

Mimir


P.S. Heute bin ich doch glatt um 9 Minuten zu spät aufgestanden, da ich auf meinem Handy aus versehen die "Schlummern"-Taste und nicht die "Wecker aus"-Taste gedrückt habe. Aus diesem Grund mussten die Cornflakes entfallen und ich musste mich mit einem Toast begnügen. Wenn ich jetzt meinen Schokoladepudding verspeist habe, werde ich mir die Zähne putzen gehen und bei Bedarf auch die Toilette aufsuchen. Danach werde ich ein Glas Wasser trinken...

Mittwoch, 15. September 2010

Die Muse der Muße

"Ich liebe die Bequemlichkeit und finde es äußerst mühsam, geistreich sein zu müssen." 
          Molière, Die gelehrten Frauen, 3,4

Bequemlichkeit ist ein Feind des wachsenden Geistes. So wie das Cocablatt dem Hunger, ist die Bequemlichkeit dem Wissenshunger eine Droge. Zwar lässt sie einen den Hunger vergessen, er ist jedoch stets da, bis man eines Tages verhungert oder zumindest immer dünner wird...

"Soll ich nachdenken oder nicht?"

Bequemlichkeit, oder, in diesem Zusammenhang auch "der innere Schweinehund", ist verführerisch. Die großen und tiefgehendsten Fragen der Philosophie, der Quantenphysik und einfach allem, was an den Grenzen bzw. sogar außerhalb unseres Verstandes liegt, sind anstrengend, sie bereiten einem Kopfschmerzen und schlaflose Nächte. Ist es denn nicht viel bequemer sich mit dem Gedanken, man könne sie ohnehin nicht beantworten und wenn doch, von welcher Relevanz wäre es schon für uns, ganz zu schweigen von der Relativität, die damit einhergehen würde, hinzulegen und dem Nichtstun zu frönen?
Und wenn es schon nicht die Muße ist, der man frönt, dann ist es doch das "passive Denken", das so verführerisch ist. Lieber liest man ein philosophisches Buch um latente Gedanken und Ideen bestätigt zu sehen als selbst über die Fragen nachzudenken und lieber sieht man einen Film über das Erreichen von Höherem, als selbst Höheres zu erreichen versuchen. Ist es nicht so? In den Ferien fiel es mir schwer, wieder einmal so richtig über die Dinge nachzudenken. Zwar fiel mir das Überwinden des "physischen Schweinehundes" also die sportliche Betätigung und das Wandern weniger schwer, doch das Überwinden des "geistigen Schweinehundes" umso mehr. Es gab viele Gelegenheiten -auch unterm Wandern- in denen ich hätte philosophieren, nachdenken oder schreiben können, doch die Verlockung, sich einfach treiben zu lassen und die Leere im Kopf zu genießen, war unglaublich groß. Genauso hatte ich oft Ideen für Bücher, Filme, Fotos, Szenen…bei denen ich mich einfach nicht dazu bequemen konnte, sie niederzuschreiben, geschweige denn, weiterzuentwickeln.
Dahingehend verstehe ich es allmählich, oder kann es zumindest nachvollziehen, wenn sich Menschen nicht an tiefgründige philosophische Fragen oder überhaupt an das, was an den Grenzen unseres Verstandes liegt, heranwagen, finde es also nicht feige, aber natürlich auch nicht ehrenswert sonder doch immer noch ein klein wenig fraglich um es humorvoll zu erklären.
Ja, es galt sogar die Verlockung, fern zu sehen anstatt Bücher zu lesen zu überwinden, denn auch im Fernsehen kommen oft interessante Beiträge (Dokus, Survivalserien etc.) die einen auch weiterbringen, jedoch noch viel passiver, also psychisch noch weniger anstrengend sind, als Bücher, da die audiovisuelle Komponente passiv anstatt interaktiv geliefert wird.  
Vielleicht kommt es ja auch daher, dass ich unter dem Schuljahr geistig voll ausgelastet bin und wenn dann die Ferien kommen, braucht man wohl auch psychisch etwas Ruhe, so wie es wohl ist, wenn man lange Zeit körperlich hart arbeitet, dann wird man sich in der Freizeit wohl auch eine Weile schwer tun, sich zu physischer Anstrengung zu überwinden.
Es ist also wohl der Stress, das hektische Leben, die Schnelligkeit, die das heutige Alltagsleben mit sich bringt, die die Muße, also die Bequemlichkeit zu einer unproduktiven Zeit machen. In der Hektik ist kein Platz mehr für Meditation und die Muße dient der Erholung, sie muss der Erholung dienen, und nicht dem Nachdenken bzw. der Produktivität.

Jetzt rein angenommen, es gäbe so eine Art "göttlichen Plan", oder quantenphysikalisch gesehen morphogenetische Felder, auf deren Prinzip die Evolution beruht, d.h. wenn sich eine vieler unzähliger Möglichkeiten als erfolgreich (erfolgreich könnte man hier auch "mit Reproduktionswille" synonymisieren) erwiesen hat, sich diese immer weiter und/oder öfter entwickelt, ist unser Hang zur Bequemlichkeit oder, dass die Mehrheit den tiefgründigen Fragen aus dem Weg geht oder sie überhaupt ignoriert, darauf zurückzuführen oder sogar, um ins Religiöse zu schweifen, darauf, dass wir diese Bereiche unberührt lassen sollen, es aber immer Ausreißer, Rebellen, PHILOSOPHEN geben wird? Wie dem auch sei, Sir Isaac Newton war einer dieser bemerkenswerten Kämpfer. So sehr ihn eine Frage auch gequält hat -egal wie aussichtslos, paradox oder unlösbar sie ihm erschien- er hat nicht aufgegeben und ist ihr bis er eine zufriedenstellende, befriedigende Antwort hatte, nachgegangen, solange es auch gedauert hat oder dauern mochte.
Scheinbar muss ich diesen Kampfgeist noch ein wenig trainieren, wodurch und wann auch immer, denn öfters kommt in mir z.B. der Gedanke auf „Was ist jetzt eigentlich Gravitation und wie entsteht sie wirklich?“ und ich beginne nachzudenken, schaue mir hin und wieder sogar ein paar Formeln an, verwerfe es dann aber irgendwie wieder, weil ich ständig in Sackgassen lande und genauso ist es mit vielen anderen Themen.
Es ist genau dieser Kämpfergeist und vielleicht in gewissen Fällen ein optimiertes Potential, das die großen Köpfe, die großen Denker und Wissenschaftler der Geschichte und der heutigen Zeit, von den anderen unterscheiden. Ich kann mich nur immer und immer wieder wiederholen: Das Potential hat (fast) jeder; es zu nutzen wagen sich nur wenige...

Eigentlich müsste jeder, der geistig wirklich Höheres erreich will seine Lebenseinstellung bzw. sein Lebenstempo soweit verändern bzw. verlangsamen, dass er so viel Muße hat, dass er sich mehr als nur erholen kann und ihm geradezu langweilig wird, und er wieder nachzudenken beginnt. Das ist möglich, sei es nun durch eine Weltreise, wie sie Gregor Sieböck gemacht hat ("Auf der Suche nach der Langsamkeit"), durch Mut zur Bescheidenheit oder indem man sich z.B. zum Buddhismus bekennt. Um das zu tun müsste man aber eben erst einmal den inneren Schweinehund überwinden...


"Wenn die Welt wirklich meine Vorstellung ist, dann bin ich ein Genie der Kreativität und Komplexität und weiß mehr als ich selbst weiß"
 Ich (als ich zu bequem war einen Text über die Komplexität einer erschaffenen Realität zu schreiben)

Sonntag, 12. September 2010

Eisen, Holz und Glas...wieder mal in den Steinbergen unterwegs

"Eisen, Holz und Glas"...so sollte das Motto meiner Wanderung in die Loferer Steinberge lauten. Denn die Gipfelkreuze jener Gipfel, die ich mir zum Ziel gesetzt hatte, bestehen aus jeweils einem der besagten Materialien.

Die Schulferien neigten sich dem Ende und der Wetterbericht hatte wieder einmal auf ganzer Breite versagt. Wegen angesagten Kaltfronten hatte ich meine Wanderung in den traumhaft schönen Zillertaler Alpen, wo man sich in der absolut empfehlenswerten Zittauer Hütte traf, abgebrochen..Besagte Kaltfronten blieben aus, aber ich war leider schon daheim und damit zu weit entfernt, um nochmal ins Zillertal zurückkehren zu können. Als sich dann endlich günstige Umstände ergaben, beschloss ich am Freitag die letzten Ferientage nochmals zu nützen und in die Loferer Steinberge zu gehen. Da ich eine Übernachtung in der Schmidt-Zabierow-Hütte einplante, ließ ich mir viel Zeit mit dem "Aufbrechen" und irgendwann hatte ich meine Bequemlichkeit dann doch endlich überwunden und ich stand wieder einmal mit meinem schweren Rucksack voll Proviant im Loferer Hochtal. Anfangs regnete es ziemlich und es galt erst einmal die Lustlosigkeit, die man eben manchmal so hat, wenn man die größten Strapazen noch vor sich hat, zu überwinden. Obwohl es erträgliche Temperaturen hatte, schwitzte ich ziemlich, und genau das machte das ganze so mühsam. Vielleicht war es auch einfach nur kondensierte Feuchtigkeit, die sich unter dem Regenschutz gesammelt hat, aber an meinem sogenannten "Funktionsshirt", dessen Funktion ich gegenüber einem normalen T-Shirt noch nie bemerkt habe, konnte man die Umrisse des Rucksacks bereits genau erkennen. Allmählich lichteten sich die Wolken und es hörte auf zu regnen. Zwar war ich nicht so erschöpft und depressiv wie damals beim Aufstieg vom Lastal, aber ich fühlte mich ziemlich lädiert. Der Aufstieg war beschwerlich, aber dann kam ich während einer Pause auf die Idee, meinen Rucksack zu verstellen - Wow! Der Unterschied war unglaublich - ganz ohne Sarkasmus - und der Aufstieg fiel mir nun erheblich leichter. Was ein falsch eingestellter Rucksack also alles so ausmachen kann. Bei den großen Rucksäcken gibt es schließlich nicht umsonst einen Hüftgurt, der die Last vom Rücken auf die Hüften verteilen soll. Ich ging weiter und sah unterwegs auch viele Gämsen, die sich überraschend zutraulich zeigten. Diese Begegnungen, bei denen auch ein paar schöne Fotos entstanden, motivierten mich, weiterzugehen.


 Bei der Hütte angekommen, "checkte" ich gleich ein und bezog meinen Platz im großen Lager. Das Lager hat Platz für gut 50 Personen, aber es waren außer mir nur vier Leute da. Ich suchte mir einen Schlafplatz direkt am Fenster, von dem aus ich einen Blick ins Tal hatte -einfach traumhaft. Da verzichte ich doch glatt auf irgendein teures Stadthotel, wenn ich hier doch alles habe, was ich brauche und dazu noch eine herrliche Aussicht.

Da ich noch das Breithorn, den Gipfel mit dem Eisenkreuz, bezwingen wollte, startete ich trotz ermüdeter Beine gleich wieder los. Auf halben Wege traf ich noch ein paar Leute, die aber bereits beim Abstieg waren. Die Dämmerung war bereits eingetreten, aber ich ging weiter. Als ich das Waidringer Nieder erreicht hatte, von wo aus man zum Breithorn abzweigt, kam bereits Nebel auf.




Der Weg aufs Breithorn ist nicht markert - lediglich "Stoamandln", also aufgeschichtete Steinhäufchen, geben Anhaltspunkte für die Route zum Gipfel. Ich hatte nur den Gipfel im Kopf und den Blick nicht nach vorne gerichtet und ging immer weiter und hatte bereits die ersten leichten Kletterstellen passiert. Dann merkte ich plötzlich, wie dunkel es doch plötzlich geworden ist und dichter Nebel war auch noch aufgezogen. Also nichts mit Sonnenuntergang auf dem Gipfel. Dann holte mich plötzlich doch die Vernunft ein und ich drehte, ca. 20 Minuten vom Gipfel entfernt, etwas schwermütig, um.

"Wenn es nicht die Ziele sind, die man erreicht, sind es immerhin die Erfahrungen, für die es sich lohnt..."

Der "Weg" im Schein meiner Stirnlampe
...dachte ich mir. So war es auch, als ich neulich mit einem guten Freund mit schwerem Gepäck zur Hütte aufgestiegen war und wir aufgrund Schneelage nach einer kurzen Rast in der Hütte wieder umdrehen mussten. Schließlich war es nicht der Gipfel des Mt.Everest vor welchem ich umdrehte, sondern ein Gipfel, an dem man wohl noch öfters vorbeikommt. Eine weitere wichtige Erfahrung war, dass angefrorene Bananen nicht gerade köstlich schmecken, so jedenfalls die, die ich mir mitgenommen hatte (äußert bissfest).
Als ich wieder den markierten Weg erreicht hatte, war ich heilfroh, dass ich umgekehrt bin, denn der Nebel war bereits sehr dicht und es war stockfinster.
Im Schein meiner Stirnlampe ging ich den mir bereits vertrauten, markierten Weg zur Hütte runter. Es war totenstill und als dann hin und wieder das seltsame Kreischen einer Gämse die Stille zerbrach, erschrack ich doch ziemlich, vielmehr aber, als vor mir irgendwelche Vögel, vom Schein meiner Lampe aufgeschreckt, plötzlich mit einem ungeheuren Lärm wegflogen und ich fluchte immer wieder los, was das Zeug hielt ;) ...Adrenalin eben. Und ich muss schon zugeben, etwas unheimlich war die Stimmung schon. Nächtens alleine in den nebeligen Bergen unterwegs...da kann es einem schonmal kalt den Rücken runterlaufen und harmlose Steine nehmen plötzlich Gestalt an...Als ich dann aber von Weitem die Lichter der Hütte sah, fühlte ich mich wieder geborgen. Der Weg vom Waidringer Nieder ist fast zur Gänze klar als solcher ersichtlich und man muss sich nicht unbedingt immer auf die Markierungen konzentrieren. Aber ich wusste, es gibt eine Stelle, wo der Weg von einer Felsstufe in die Schottergrube ausschweift, doch ich war wohl in Gedanken verloren, denn plötzlich -ich glaubte noch auf dem Weg zu sein- fand ich mich auf dem Schotterhang wieder. Eine Markierung war jedoch weit und breit nicht in Sicht. "Scheiße, jetzt ist es doch passiert..." dachte ich mir...Ich beschloss in Serpentinen den Schotterhang in Richtung Hüte runterzusteigen und versuchte markante, mir bekannte, Stellen zu finden. Vor mir war dann plötzlich der Abgrund. Als ich mich neu zu orientieren versuchte, glaubte ich die ungefähre Lage des Weges zu wissen und ich ging stets in diese Richtung, musste aber immer wieder großen Felsen und Vertiefungen in großem Bogen ausweichen.Und irgendwann sah ich endlich eine markante Stelle und etwas, das nach einem Weg aussah. Und dann endlich! ein roter Punkt! Noch nie hatte ich mich so über eine kleine Wegmarkierung gefreut. In der Hütte angekommen, empfing man mich freundlich und ich wurde von anderen Wanderern noch auf ein Bierchen eingeladen. Nach ein paar Langzeitbelichtungsaufnahmen von der Terasse, welche einen herrlichen Blick auf die Lichter im Tal bot, legte ich mich ins Lager und genoss diesen Zustand der angenehmen Erschöpfung. Von meinem Fenster sah ich genau ins Tal.


 

Die Nacht war ruhig und ich hatte gut geschlafen. Ich wollte früh am Gipfel sein, deshalb stellte ich mir den Wecker schon auf halb 6. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass es wohl ein etwas nebeliger Morgen sein dürfte, also klare Morgenrotaufnahmen würden sowieso nicht rausspringen. Also konnte ich mich vorerst nicht dazu bringen, aus dem warmen Schlafsack auszusteigen. Eine halbe Stunde später quälte ich mich dann doch raus und richtete mein Zeug her. Nach einem schnellen Frühstück aus eigenen Vorräten startete ich mit leichtem Gepäck aufs Ochsenhorn. Unterwegs trödelte ich etwas herum und machte immer wieder Fotos, denn am Horizont öffnete sich doch ein Wolkenfenster und ein Streifen Morgenrot war zu sehen.





Nachdem ich die kleine Wehrgrube passiert und ein ganzes Stück aufgestiegen bin, machte ich nochmals eine Rast, denn es ging von nun an ziemlich steil rauf. Wieder galt es, die Lustlosigkeit zu überwinden, denn so früh am Morgen bin ich noch nicht ganz auf Touren...Aufgrund der kühlen Temperaturen und dem Schatten erschien mir der Aufstieg weniger anstrengend als erwartet, und ich machte kaum mehr Pausen. Nachdem ich ein paar längere Rinnen hochgeklettert und kleine, vereiste Schneefelder passiert hatte, war plötzlich -völlig unerwartet- auch schon das große Gipfelkreuz des Ochsenhorns zu sehen. Oben war es windig und Wolken, Sonne und Nebel wechselten einander ab.














Das hölzerne Gipfelkreuz, welches ich nach ca. 130 Minuten von der Hütte aus erreicht hatte, ist, denke ich, das größte in den Loferer Steinbergen, und immerhin ist auch das Große Ochsenhorn der höchste Berg der Loferer Steinberge. Es gibt sogar eine Holzbank zum Sitzen.





Nach unzähligen Panoramaaufnahmen vom Gipfel, die ich wahrscheinlich ewig lange nicht bearbeiten, geschweige denn zusammenfügen werde, und dem "Gipfelmüsliriegel" welcher schon zu einer Art Ritual geworden ist (nicht selten war dieser genauso gefroren wie die Banane), begann ich auch schon mit dem Abstieg, der relativ ereignislos verlief. Der Weg aufs Große Ochsenhorn ist jedenfalls von allen am gefährlichsten was Steinschlag betrifft, denn nicht selten geht man an steilen Rinnen vorbei.
Unterwegs begegnete ich wieder mal einer Gämse. Egal wie oft ich sie noch sehen werde, aber ich werde einfach jedes mal fasziniert sein, wie grazil und schnell sie sich in solch exponierten Gelände fortbewegen. "Allrad" ist eben doch von Vorteil.

Dann kam ich zur kleinen Wehrgrube runter, von wo aus irgendwo ein Weg zum Rotschartl und damit zum Traunspitzl, also dem Glaskreuz, führen sollte. Dieser Weg ist jedoch nicht markiert, geschweige denn ersichtlich. Da ich den Gipfel des Breithorns am Abend nicht erreicht hatte, beschloss ich erstmal den nachzuholen und "dann schau ma weiter...", da ich außerdem ziemlich Hunger hatte und mir nicht sicher war, wie gut das Traunspitzl unter diesen Umständen zu erreichen wäre. Also kehrte ich zur Hütte, sozusagen zum Basislager zurück und entbehrte wieder etwas Proviant. Da ich abends noch zu einer Geburtstagsfeier sollte, hatte ich nicht allzuviel Zeit zum Rasten, wenn sich das Breithorn noch ausgehen sollte, also ging ich sogleich auch los. Nach ca. 10 Minuten war ich zwar nicht gerade erschöpft, aber antriebslos. Ich wollte einfach nicht mehr. Doch es ist immer wieder faszinierend - während ich im Kopf selsbt mit mir diskutiere, ob ich weitergehen soll, oder nicht, bzw. mich selbst zu überreden versuche, gehe ich inzwischen automatisch weiter und plötzlich finde ich mich so weit oben wieder, dass ich wieder motiviert bin, da es nicht mehr so weit ist. Zudem war der Aufstieg nicht so anstrengend, da ein frischer Wind wehte und Wolken die Sonne zwischendurch bedeckten.
Schon bald sah ich die Hütte fast aus Vogelperspektive und erreichte das Waidringer Nieder, wo ich auf die anderen Hüttengäste traf. Auch sie hatten sich das Breithorn zum Ziel gewählt. Ich ging vor. Meine Entscheidung, abends vor dem Gipfel umzukehren, bestätigte sich mir erneut als richtig, als ich weiterkam und es etwas schwierigere Kletterstellen zu überwinden galt, die bereits etwas Schwindelfreiheit und Geschick erfordern. Der rauhe Kalkstein hinterlässt zudem an den Händen gerne ein paar "Erinnerungen" und immer wieder dachte ich mir "Scheiße, wie soll ich da eigentlich wieder runter kommen?". Nachdem ich diese Stellen überwunden hatte, war ich aber schon auf dem Grat und sah auch schon den Gipfel. Das Kreuz mussten sie natürlich ganz vorne hinstellen. Das Eisenkreuz hat in der Mitte eine Öffnung, in der sich eine Glocke befindet.
Ich verzichtete auf Panoramaaufnahmen und machte lediglich ein paar Gipfelfotos. Den Gipfel hatte ich von der Hütte aus in 80 min. erreicht.
Eigentlich konnte ich mich nicht so recht über den Gipfelsieg freuen, denn wie schon Skyrunner Christian Stangl gesagt hat: "Man kann sich erst freuen, wenn man wieder unten ist. Auf dem Gipfel hat man noch den Abstieg vor sich". Natürlich ist es etwas weit hergeholt, das 2415m hohe Breithorn mit dem Himalaya zu vergleichen, aber ich war ja schon eine ganze Weile rauf-runter unterwegs und wenn man dann noch einen Abstieg von der Hütte mit dem großen Rucksack vor sich hat...Zudem muss man so ein mehrtägiges Erlebnis erst einmal daheim "verarbeiten".
Nach dem Gipfelmüsliriegel begann ich gleich mit dem Abstieg.


Der Abstieg verlief problemlos. In der Hütte angekommen, packte ich meinen Rucksack zusammen. In den Berghütten bin ich eigentlich nur zum Übernachten und versorge mich sonst selbst, aber mir scheint die Hütten sind zunehmend auch auf Konsum ausgelegt. Dass die Preise für Essen&Trinken hoch sind, ist absolut verständlich und nachvollziehbar, schließlich wird das Essen ja raufgetragen oder überhaupt mit dem Hubschrauber geflogen. In der Zittauer Hütte in den Zillertaler Alpen steht "Dies ist, war und bleibt eine Alpenvereinshütte. Sie ist weder Berggasthof noch Alpenhotel" - ein guter Leitspruch aber so empfinde ich die Hütten eigentlich weniger (leider), denn wenn man dann die Speisekarten mit ihrer Vielfalt ansieht...Ich finde jedenfalls man sollte die Hütten wieder primär auf Übernachtungen auslegen und nur die wichtigsten Lebensmittel, bzw. einfache Speisen anbieten. Ein bisschen Bescheidenheit schadet einem gerade in den Bergen nicht und mit guter Einteilung und den richtigen Sachen kommt man auch mit dem mitgebrachten Proviant mehrere Tage problemlos aus. Gerade wenn man solche Hütten als Stützpunkt für ausgedehnte Touren nutzt, kann man doch auf Sachertorte&Co. verzichten -mit sowas kann man sich dann im Tal belohnen. Die Selbstversorger sind jedenfalls eindeutig in der Minderheit. So jedenfalls mein Appell an die Berghütten. Aus anderer Perspektive betrachtet ist es dann doch verständlich, denn irgendwo müssen die Bewirtschafter ihre Einnahmen beziehen, und wenn es nicht ein vielfältiges Speisenangebot ist, mit dem man auch anspruchsvollere Wanderer lockt, würde es sich vermutlich auf die reinen Nächtigungspreise ausschlagen müssen, und dann wäre auch nicht gewünscht. Am besten wäre es einfach, den Selbstversorgern mehr Möglichkeit geben, sich selbst zu versorgen, d.h. einfach eigene "Jausenräume" in denen man sich nicht gezwungen fühlt, etwas zu bestellen, sondern die wirklich nur für die eigenen Sachen da sind. Vermutlich wird auch niemand was sagen wenn man in der Stube seine Jause auspackt während andere á la carte dinieren, aber man fühlt sich eben doch etwas insistiert.
Am Hüttenpersonal kann ich jedenfalls nichts aussetzen - freundliche und hilfsbereite Menschen und wie ich anhand des Gipfelbucheintrages auf dem Ochsenhorn feststellte, arbeitet ein Sherpa aus Nepal dort, seine Homepage können Sie unter folgender Adresse: http://endlesshimalayan.com/about_me.php besuchen.

Nach dem "Auschecken" hatte ich also wieder meinen schweren Rucksack auf dem Buckel - doch ein spürbarer Unterschied zu dem leichten, den ich bei den Gipfelbesteigungen hatte.
Den monotonen Abstieg schaffte ich etappenweise ohne große Anstrengung, im Tal war ich dann aber doch froh, endlich unten zu sein. Beim Abstieg hilft mir meistens, wenn ich zurückblicke und sage "Gut, dass ich das Stück nicht nochmal raufgehen muss" oder einfach zuzusehen wie sich die Hütte immer weiter entfernt.
Daheim angekommen ließ der Muskelkater nicht lange auf sich warten und ich freute mich nun so richtig über die Gipfelsiege. Gute 5000 Höhenmeter hatte ich in diesen Tagen zurückgelegt und habe damit nun alle Gipfel der Loferer Steinberge geschafft, die man ohne Kletterausrüstung erreichen kann. Lediglich die "Spitzl", also Traunspitzl und Skihörndl fehlen mir noch, wobei das eher eben kleine "Spitzerl" als Gipfel sind. Zwar habe ich immer noch das Gefühl, die Ferien nicht ganz genutzt zu haben, aber wandermäßig habe ich doch einiges erreicht, zumal ich in den wunderschönen Zillertaler Alpen während dem Treffen einer Fotocommunity mit 2845m Höhe (Roßkopf) auch meinen höchsten Gipfel bezwungen hatte. Die Dreitausender waren aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse leider nicht mehr drin - wäre ich im Zillertal geblieben, wäre es ein schönes Ziel gewesen...Hoffentlich nächstes Jahr...
Eigentlich habe ich mir gestern als ich heimkam gedacht, jetzt für eine Weile genug vom Wandern zu haben, aber wenn ich hier so schreibe, bekomme ich glatt wieder Lust darauf. Zeitlich wird es jetzt wohl aber immer schlechter gehen, denn, wie gesagt, die Ferien sind vorbei...

Hier unten noch ein Panorama der Zillertaler Alpen, vom Roßkopf aus fotografiert:

Donnerstag, 12. August 2010

Die Welt der Berge...


Als nun Zarathustra so den Berg hinaufstieg, gedachte er unterwegs des vielen einsamen Wanderns von Jugend an, und wie viele Berge und Rücken und Gipfel er schon gestiegen sei.
Ich bin ein Wanderer und ein Bergsteiger, sagte er zu seinem Herzen, ich liebe die Ebenen nicht, und es scheint, ich kann nicht lange still sitzen.
Wer sich stets viel geschont hat, der kränkelt zuletzt an seiner vielen Schonung. Gelobt sei, was hart macht! Ich lobe das Land nicht, wo Butter und Honig - fließt!
 Es waren zwar nicht diese Worte die mich zu meiner Wanderung inspirierten, doch es waren diese  Worte, die mich während meiner Wanderung bestätigten und mich den Sinn derselben nie bezweifeln ließen.
Aufgrund der meteorologisch, für diesen Sommer wohl eher seltenen, günstigen Situation, beschloss ich am Wochenende, nach etwas Überwindung, eine längere Wandertour in die Höhen der Loferer Steinberge zu starten. Anfangs plante ich eine Übernachtung in der Schmidt-Zabierow-Hütte, allerdings bemerkte ich, als ich bereits beim Losgehen war, dass ich aufgrund meiner "Für-jeden-Fall-gerüstet-sein"-Organisation, welche in solch rauen Gefilden mit Sicherheit von Vorteil sein kann, so viel Ausrüstung hatte, dass diese eine eventuelle Übernachtung unter freiem Himmel zuließ. Schon bald bekam ich jedoch die 5kg über dem Tagestourenausrüstungsgewicht deutlich zu spüren; obwohl es nicht sonderlich heiß war, schwitzte ich viel und schon nach einer halben Stunde dachte ich an eine Rückkehr (Gedanke: Steinberge 1 Ich 0) und ich sah mich schon von den Steinbergen bezwungen.
Der erste Abschnitt erscheint einem zwar normalerweise immer schwieriger, aber dieses Mal war ich am Aufgeben. Ich machte erst einmal eine lange Pause und überredete mich selbst irgendwie dazu, noch 10 Minuten zu gehen und dann "schauen wir weiter".  Davor war ich aber wieder etwas bergab gegangen, um die Schwierigkeit eines eventuellen Abstieges abzuschätzen. 10 Minuten vergingen, selbes Szenario, und wieder hatte ich mich irgendwie überredet, weiterzugehen, denn nach einer kurzen Pause ist man manchmal überraschend schnell regeneriert. Dieses etappenweise "mich-selbst-austricksen" tat ich schließlich so lange, bis sich eine Rückkehr als absolut ineffizient erwies und ich geradezu hinaufgehen musste (dabei hatte ich gerade einmal 1/3 des Weges geschafft). Ich machte Rast an einer Quelle - die einzige und letzte auf dem gesamten Weg. Das rhythmische Plätschern und die Reflexionen ließen mich in Trance fallen und so saß ich dort wohl eine gute Viertelstunde auf nacktem Stein und starrte in die Quelle...Danach fühlte ich mich aber viel besser, und ich beschloss, zumindest bis zur Waldgrenze weiterzuwandern. Dort - kurz bevor die Vegetation karg wird - setzte ich mich zwischen die Latschenkiefern, verschnaufte kurz, und beschloss meinen Rucksack dort zu lassen um den weiteren Wegverlauf und die damit verbundenen Strapazen einzuschätzen. Wow- mit 10kg weniger am Rücken fühlt man sich plötzlich wie beflügelt! Wie eine Gämse hüpfte ich wieder zu meinem Rucksack runter, doch dann befiel mich eine Art Depression. Ich wollte nicht mehr. Es war eine Mischung aus Erschöpftsein, Heimweh, Trance und Hilflosigkeit. Da ein Abstieg von dort vermutlich gleich anstrengend gewesen wäre wie der Aufstieg, sah ich mich irgendwie verloren...Und plötzlich...wurde ich mir erst der Rauheit, der Gnadenlosigkeit dieser Bergwelt bewusst. Wie oft war ich hier schon auf- und abgestiegen, doch nie bekam ich das so zu spüren - hier waren Urgewalten am Werk; heute wie vor tausend Jahren. Man ist hier den Naturgewalten ausgesetzt, hier ist man nicht mehr Herr über diese, sondern die Natur ist hier Herr über den Menschen!
Nundenn, ich spielte die verschiedenen Alternativen (viele waren es ohnehin nicht) durch, und dachte daran, hier zu übernachten. Allerdings erschien es mir hier zwischen Felsen und Latschenkiefern unter hohen Berggipfeln und eventuell sogar in der Nähe von Kreuzottern zu unwirtlich. Ich musste also weiter - egal in welche Richtung. Mit einem taschenwarmen Energydrink und etwas Placebo-Effekt versuchte ich mich wieder aufzurappeln. Nun schaffte ich es bis über die Waldgrenze. Dort war ich erneut ziemlich erschöpft und machte Rast. Ich brauchte eindeutig etwas Energie, also entbehrte ich etwas aus meiner eisernen Ration Müsliriegel (Zucker ist in solchen Situationen schließlich von Vorteil). Was mir dann allerdings wohl wirklich den Antrieb gab, waren die Apokalyptischen Reiter, denn glücklicherweise hatte ich meinen MP3-Player mit eingepackt (auf die Idee brachte mich nicht zuletzt auch Gregors Sieböcks Buch "Der Weltenwanderer"). So spielte ich gleich das Album Samurai ab und war wieder motiviert. Mitsingend und schon fast in Trance schaffte ich nun ein beträchtliches Stück Weg ohne Pause. Erst bei der Wegabzweigung, von welcher es dann laut Tafel nurmehr 2 1/2 Stunden zu den Zielen sind, machte ich wieder Halt. Dort traf ich übrigens auch auf Menschen. Normalerweise genieße ich die Einsamkeit in den Bergen, doch dieses mal freute ich mich irgendwie darüber und fühlte mich etwas geborgener. Die Menschen gingen runter, ich rauf. Trotz der Illusion der Geborgenheit beschloss ich nach Rechts - in Richtung Schmidt-Zabierow-Hütte abzubiegen. 3 Stunden gibt der gelbe Wegweiser als Richtwert an; obwohl das meistens sehr übetriebene Werte sind (man braucht wesentlich weniger Zeit) schien dennoch ein ganzes Stück Weg vor mir zu liegen. Nachdem ich nach ca. 15 min. die Ulrichsgrube erreicht hatte, dachte ich plötzlich nach, ob denn der Weg über das Mitterhorn nicht alternativenreicher wäre. Denn; Daumen mal Pi käme ich ca. um 20 Uhr bei der Hütte an. Um den Sonnenuntergang zu sehen, müsste ich allerdings von der Hütte wieder aufsteigen, und der nächste Berggipfel mit Aussicht nach Westen ist das Mitterhorn, welches ich dann erst nach Sonnenuntergang erreicht hätte, wenn ich von der Hütte ausgegangen wäre. Ich zog in Erwägung, den Sonnenuntergang auszulassen, doch dann kam in mir wieder der Gedanke hoch "Mensch, wie oft hast du die Gelegenheit, den Sonnenuntergang anzusehen! Wer weiß, wann du diese je wieder haben wirst!?". Also machte ich kehrt und ging bis zu Abzweigung zurück; damit waren gute 25 Minuten verschwendet, aber der Gedanke ließ mich nicht mehr los. Bei der Abzweigung wählte ich jetzt also den altbekannten, geradezu vertrauten Weg aufs Mitterhorn. Auch wenn ich die maximale Aufstiegszeit von 2:30h brauchen sollte, so hätte ich immer noch die Möglichkeit mir den Sonnenuntergang anzusehen, und im Falle, dass die Temperatur keine Übernachtung zulässt, zur Hütte absteigen zu können. Die ersten Meter des vertrauten Weges waren jedoch hart mit so viel Gepäck. Es dämmerte bereits und eine melancholische Stimmung tat sich auf, zumal ich gerade Forseti horchte. "Nein- so komme ich keinen Schritt weiter", dachte ich mir. Also wählte ich beim MP3-Player wieder die Apokalyptischen Reiter aus und die Motivation war wieder da. Vermutlich lag es daran, dass ich den Weg schon in- und auswendig kannte, aber die Serpentinen über dem Schneefeld stieg ich wie in Trance und überraschend schnell auf. Der letzte Abschnitt, welcher zum Klettersteig führt, zog sich dann natürlich in die Länge und erschöpfte mich, zumal das Album nun zu Ende war. Der Kalkstein war rau und schürfte meine Handflächen auf. Und dann -endlich!- war die markante Leiter, die den Einstieg zum Klettersteig bedeutet, in Sichtweite. Ich eilte förmlich dorthin, doch meine Beinmuskeln ließen es nicht ganz zu, bis dorthin in Einem zu gehen. Doch kurz davor war eine schöne, weiche Grasfläche. Dort legte ich mich kurz hin, mit dem beruhigenden Gedanken, dass der Gipfel über den Klettersteig in nicht einmal 20 Minuten zu erreichen war, und tankte etwas Kraft. Da ich den MP3-Player nun verstaut hatte, wurde ich mir nun der wunderbaren Stille wieder bewusst. Obwohl mich der große Rucksack etwas behinderte, wählte ich den Klettersteig für den Aufstieg. Mit solchem Gepäck erweist es sich dann aber doch als schweißtreibend, sich an den Tritteisen hochzuziehen. Doch mit dem Wissen, der Gipfel käme immer näher, schaffte ich es letztendlich fast in Einem bis zum Gipfel. Welche Wohltat als ich diesen endlich sehen konnte! Und dann sah ich auf dem Gipfel noch eine Silhouette. Ein Mensch! Ich hätte mir nie gedacht, dass ich mich darüber freuen würde, aber dieses Mal freute ich mich unheimlich, etwas Gesellschaft zu haben. Hechelnd und völlig erschöpft kam ich nach einer Gehzeit von ca.1:50 (von der Abzweigung aus. Gesamt also ca. 4 1/2 - 5h) auf dem Gipfel an. Meine Oberschenkel schmerzten und ich konnte/wollte für eine Weile keine zehn Meter gehen. Der freundliche Mann mit adäquater Bekleidung begrüßte mich und fragte mich, ob ich ihm wohl Gesellschaft über Nacht leiste.

Und da war die Überzeugung da, auf dem Gipfel zu übernachten! Entschlossen bejahte ich diese Frage. Ich weiß nicht, ob ich am Gipfel übernachtet hätte, wenn niemand oben gewesen wäre. Wahrscheinlich nicht, da es das erste Mal sein sollte, dass ich in solch rauen Gefilden unter freiem Himmel übernachte. So konnte ich mit einem angenehmen Sicherheitsgefühl Erfahrung sammeln. Der Mann hatte ein Stativ dabei und hielt die einzigartigen Lichtstimmungen mit seiner DSLR fest. Dem schloss ich mich gleich an, eben nur mit meiner Kompakten, aber was soll's. Nachdem ich die Bergübernachtungstauglichkeit meines Schlafsackes und die Windgeschütztheit meines Schlafplatzes durch ein kurzes Probeliegen abgewogen hatte, festigte ich den Entschluss oben zu übernachten und wartete auf den Sonnenuntergang. Bevor sich die Sonne endgültig gen Horizont begab, ließ sie die aufsteigenden Nebelschwaden golden leuchten...
Gegen 20:40 dann kam der Moment, auf den ich gewartet hatte; der Sonnenuntergang. Im Tal ist aufgrund der umliegenden Berge die Sonne beim Untergehen meistens noch hellgelb strahlend zu sehen, hier hatte ich jedoch Blick bis zum Horizont. Das wunderschöne Farbenspiel des Abendrots und der untergehenden Sonne, welche den Himmel nahezu in den Spektralfarben erscheinen ließ, begann.




 Die Aussicht reichte bis zum Chiemsee...

...und irgendwann war nurmehr ein schmaler roter Streifen von der Sonne zu sehen

Der Nachteinbruch, oder "Nightfall", wie es im Englischen so schön heißt, zeigte, dass die Nacht alles andere als nur schwarz ist...


In der Nacht konnte man die Lichter der vielen Städte und Ortschaften sehen. Als ich mich zu später Stunde noch einmal aus dem Schlafsack quälte, blickte ich in Richtung Nordosten, als ich plötzlich etwas Großes, orange leuchtendes sah. Ich dachte zunächst an eine von Scheinwerfern beleuchtete Kirche auf dem Berg oder etwas in der Art (wobei es schon eher wie der Taj Mahal aussah), doch als es wenig später höher am Himmel stand, war mir klar, dass es der von der Abendsonne beleuchtete, riesengroße Mond war!

Ich versuchte, alles aus dem winzigen Sensor und Objektiv meiner kompakten Kamera rauszuholen und kauerte mich hinter das Mini-Stativ. Die Temperatur lag gefühlt vermutlich schon unter dem Nullpunkt (den eiskalten Wind berücksichtigt), da meine Finger am Metallgehäuse der Kamera zu kleben begonnen.
Danach legte ich mich zufrieden in meinen Schlafsack. Ich hatte mein gesamtes Repertoire an Kleidung angezogen, da es trotz Schlafsack recht kalt war und ich gewichtsbedingt nur eine dünne Iso-Matte mitgenommen hatte. Nachdem ich noch schnell meinen Wecker auf halb 5 gestellt hatte, fiel ich in eine Art Halbschlaf; etwas zwischen Wachsein und Schlafen; gewissermaßen eine "Aufwachbereitschaft". Da ich einen windstillen Schlafplatz hatte, war es erträglich im Schlafsack, doch so gegen halb 2 morgens drehte der Wind und es war eiskalt, was mich auch aufwachen ließ. So fror ich eine Weile vor mich dahin, wenig später wurde es aber wieder besser und ich schlief völlig ein. Pünktlich wachte ich auf, blieb aber noch liegen. Der Mann, welcher auf der anderen Seite des Gipfels geschlafen hat, war auch schon munter, und weckte mich. Ich stellte mich zum Gipfelkreuz und wartete auf die ersten wärmenden Sonnenstrahlen.
Und dann endlich! der Sonnenaufgang! Für diesen Moment hatte ich mir "Also Sprach Zarathustra" von Richard Strauss in meinem MP3-Player bereitgestellt. Atemberaubend!


Spätestens jetzt wusste ich, dass sich das alles gelohnt hatte. Wunderschön ist es, zu beobachten, wie die Finsternis allmählich dem Licht weicht, und zu fühlen, wie sehr einen doch schon die ersten Sonnenstrahlen nach so einer Nacht wärmen können.
Nachdem ich meinen Schlafsack zum Trocken aufgehängt hatte, "frühstückte" ich erst einmal etwas (die Müsliriegel waren sogar gefroren). Die dünne 2€ billige Iso-Matte sah aus wie ein Schweizer Käse, so lädiert war sie vom steinigen Untergrund.

Während der Mann bereits beim Losgehen war, schoss ich noch ein paar Fotos vom morgendlichen Panorama. Die Hohen Tauern erstrahlten im Morgenrot...

Und unter mir lag, teils im Nebel, das verschlafene Pillerseetal...

Als ich in Richtung Kitzbühel blickte, sah ich den imposanten Schattenwurf des Mitterhorns. Wäre die Sonne wohl nur ein paar wenige Grad günstiger gestanden, so hätte es an der Spitze des Schattens zu einer Glorie oder einem Brockengespenst (spektralfarbener Kranz um einen Schattenwurf auf Nebel) kommen können.


Etwa gegen 8 Uhr dann hatte ich alles zusammengepackt, genoss noch für eine Weile die Ruhe und das Morgenlicht am Gipfel, und wollte mich auch ins Gipfelbuch eintragen, welches aber weg war. Ich brach zur nächsten Etappe auf - Abstieg in Richtung Schmidt-Zabierow Hütte. Nach etwa einem Drittel des Abstieges kam ich an einem wunderschönen, exponierten Felsplateau über einer Schlucht vorbei. Nach ein paar eher missglückten Selbstauslöseraufnahmen á la "Wanderer über dem Nebelmeer" von C.D.Friedrich ging ich, schweren Herzens, wieder weiter, obwohl ich spekulierte, auf dem Plateau eine Weile zu verweilen...Nachdem ich etwa 10 Minuten gegangen bin, dachte ich wieder an das Plateau und wieder kam mir der Gedanke "Hey, vielleicht wirst du so bald keine so günstige Gelegenheit haben..." und ich machte kehrt und stieg wieder hinauf zum Plateau, wo ich mich erstmal hinsetzte und ein wenig Musik hörte. Dann las ich wieder mal ein wenig in Also Sprach Zarathustra und kam auch beim Kapitel "Der Wanderer" vorbei. Stimmiger hätte es kaum kommen können...Ich saß wohl eine ganze Weile dort, habe aber seit Aufbruch vom Gipfel nicht auf die Uhr geschaut, und beschloss, dies auch weiterhin nicht zu tun. Irgendwann kam ich dann den vertrauten Weg zur Hütte runter, welcher sich als vergleichsweise bequem erwies; vielleicht weil mein Rucksack mir irgendwie Rückhalt gab. Ich kam also bei der Hütte an und fragte, ob ich meinen Rucksack dort deponieren dürfte. Das Praktische an diesem Rucksack ist nämlich, dass er einen kleinen, abnehmbaren Zusatzrucksack an der Vorderseite hat, also ideal für eine "Zwischenwanderung". Freundlicherweise durfte ich den Rucksack dort ablagern und nahm eine 1,5l Flasche Wasser und eben das Wichtigste mit. Mein Ziel war das Große Reifhorn. Der gelbe Wegweiser zeigte als Richtwert eine Aufstiegszeit von 1 1/2 Stunden an. Erfahrungsgemäß weiß ich jedoch, dass diese Zeitangaben absolut unzuverlässig sind. Meistens sind sie stark übertrieben, was aber noch nicht so schlimm ist. Tückischerweise sind sie aber gerade auf dieser Seite der Steinberge eher etwas untertrieben. Die ersten 15 Minuten ging es über ausgeprägte, lange Karrenfelder (Karre = Verwitterungserscheinungsform von Kalk, siehe Wikipedia), die das Sonnenlicht stark reflektierten. Sonnenschutzmittel war angesagt, denn erfahrungsgemäß holt man sich in den Bergen sehr schnell einen starken Sonnenbrand. Nach dieser Passage war es aber zunehmend schattig und recht angenehm. In Serpentinen und über Felsstufen verlief der Weg, in Blickrichtung des Gipfels. Es kamen einfache, ungefährliche Kletterpassagen, die an einem stark bewanderten Weg vermutlich gesichert wären. Für etwas erfahrenere Bergsteiger jedoch unproblematisch. Doch als ich glaubte, den Gipfel bald im Blickfeld zu haben, ging es plötzlich geradeaus und ums Eck, und ich ging nun über der Schlucht mit Blick auf die imposanten Felsabstürze des Ochsenhorns. Ich ging nun relativ steil bergauf und die Sonne brannte vom Himmel...Bei der Hitze fiel es schwer, das Wasser zu rationieren. Es folgten nun einige exponierte Stellen, von denen nur eine einzige durch eine Trittstufe gesichert war.
Dann holte ich auch einen Wanderer ein, den ich schon beim Aufbruch von der Hütte kurz vor mir gesehen hatte. Angesichts der doch etwas schwindelerregenden Höhe gab mir das eine gewisse Sicherheit. Der ziemlich ausgesetzte Steig zog sich in die Länge und begann mich zu langweilen. Dann endlich der entscheidende Einschlag nach Rechts. Es folgte eine steile Rinne, die zwar nur leichte Kletterei, jedoch etwas Schwindelfreiheit erforderte. Danach glaubte ich schon, am Gipfel zu sein, aber denkste! Es galt nun auf dem Grat weiterzugehen. Kurz vor dem Gipfel folgte eine weitere exponierte Stelle, die mit Trittstiften und -eisen gesichert war. Irgendwie fragte ich mich ständig, wie ich da nur wieder runterkommen sollte. Dann sah ich endlich das Gipfelkreuz. Schwer einzuschätzen, da ich beim Losgehen nicht auf die Uhr geschaut hatte, aber ich war wohl mehr als 1 1/2 Stunden unterwegs. Der Aufstieg war doch um einiges anspruchsvoller als der auf das Mitterhorn oder das Ulrichshorn. Für mich war es bisher zwar nicht der längste, aber wohl der anspruchsvollste Aufstieg. Vielleicht erschien es mir mitunter auch deshalb so, weil ich doch etwas erschöpft vom Vortag war, und nicht allzu ausgeschlafen. Am Gipfel angekommen gönnte ich mir erst einmal eine anständige Jause. Ich verweilte oben eine ganze Weile, bis ich mich wieder einigermaßen ausgeruht fühlte.
Schnell machte ich von oben noch ein Foto von der Schmidt-Zabierow-Hütte, welche in dem grauen Gestein kaum zu sehen war.



Da nun der Wanderer, welcher fast gleichzeitig mit mir den Gipfel erreicht hatte, auch aufzubrechen schien, beschloss ich, das auch zu tun, denn bei dem Abstieg ist es sicherer, wenn man nicht alleine geht. Die Kletterstellen waren jedoch schneller und problemloser überwunden, als ich dachte, und schon bald erreichte ich auch wieder die Schattenseite. Da meine Jause dummerweise großteils aus Dauerwurst bestand, die ja recht salzig ist, bekam ich unterwegs noch ziemlichen Durst, und die 1,5l waren schnell verbraucht - zu schnell. Ich hatte insgesamt 5 Liter Wasser mitgenommen - fast zu wenig für nichteinmal zwei Tage in den Bergen. Der Abstieg ging - den Blick stets auf die sich nähernde Hütte gerichtet - relativ schnell. Bei der Hütte angekommen, war ich ziemlich verschwitzt und hatte starken Durst. Ich bestellte mir schnell einen halben Liter Leitungswasser, den ich fast in einem Zug leerte. Auf der Toilette versuchte ich eine meiner leeren Flaschen zu füllen, was mir aber aufgrund der ungünstig geformten Waschbecken nicht gelang. Bei der Hütte traf ich auch einen guten Freund, der von Lofer aus aufs Mitterhorn unterwegs war, und hier einen kleinen Zwischenstopp einlegte. Wir brachen gemeinsam auf und trennten uns dann bei der Abzweigung. Vor mir lag also nun der sehr ermüdende und ernüchternde Abstieg ins Loferer Hochtal - ohne Wasser... In ewigen Serpentinen - ich habe ab und zu mitgezählt; es sind sicher gute 50 Kurven - ging ich ins Tal. Ich überholte zwar ein paar Leute, wurde selbst aber auch öfters überholt. Bis ich die Waldgrenze erreicht hatte, rastete ich ein paar Mal und stillte meinen Durst provisorisch mit einem saftigen Apfel, womit ich meinen Proviant endgültig aufgebraucht hatte. Im Wald angekommen ging ich einfach nurmehr. Zwar exponentiell langsamer werdend, aber ich ging, auch wenn meine Beine bis zu den Fußsohlen langsam zu schmerzen begannen. Unterwegs kam ich an zwei plätschernden, kühlen Quellen vorbei. Welch eine Versuchung der ich hier widerstehen musste! Ich war mir nämlich nicht sicher, ob das Trinkwasser ist, schließlich könnten weiter oben ja auch Kühe grasen...Besser kurzfristig durstig bleiben, als vielleicht später krank zu sein, dachte ich mir. Und zu dehydrieren drohte ich schon gar nicht, schließlich hatte ich gerade vor einer Stunde getrunken. Ich hatte so an die 2/3 oder sogar 3/4 des Weges hinter mir, und da war wieder diese "Depression" die ich schon beim Aufstieg hatte. Ich mochte nicht mehr. Der Weg war so ermüdend und erschöpfend...Durchgerüttelt saß ich am Wegrand und versuchte mich etwas auszuruhen. Ich hatte noch etwas Traubenzucker dabei. Den aß ich, in der Hoffnung, zumindest physisch wieder auf die Beine zu kommen. Halb glykämisch optimiert, halb Placebo rappelte ich mich nach einer ganzen Weile Rast wieder auf, irgendwie mit militärischen Übungsgedanken und solchem Quatsch. Von nun an ging ich bis zum Parkplatz, wo mich später mein Vater abholte, in einem durch. Am Parkplatz angekommen, hätte ich den Boden küssen können, wäre dieser nicht von Kuhfladen kontaminiert gewesen. Auf dem Bänkchen setzte ich mich hin und verfiel in einen tranceartigen Zustand der Erschöpfung, Entspannung und Regeneration und hätte auf der Stelle einschlafen können. Zufrieden sah ich den Wanderern zu, die nach der Reihe hechelnd und ächzend zum Parkplatz kamen. Wie sehr bemitleidete ich doch den armen älteren Herrn, der ohnehin wohl schon Schwierigkeit beim Abstieg hatte und den seine Gattin dann noch die gesamte Schotterstraße vom Parkplatz bis zur Straße gehen ließ...
Irgendwie war ich mir da unten nun gar nicht mehr so richtig bewusst, was ich da oben alles gemacht habe. Fast schon "es ging alles so schnell"...

Und wie sehr freute ich mich daheim über die kühle Dusche und das weiche Bett. Selten kann ich so genüsslich schlafen, wie nach solchen Aktionen. Und erst am nächsten Tag, als ich mir dann die Fotos ansah, wurde mir erst so richtig bewusst, wie viele unglaublich schöne und atemberaubende Momente das waren...Man könnte schon fast sagen, ich hab eine Weile gebraucht, um das zu verarbeiten...

"Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten, die Liebe zu allem, wenn es nur lebt! Zum Lachen ist wahrlich meine Narrheit und meine Bescheidenheit in der Liebe! Also Sprach Zarathustra und lachte dabei zum andern Male...Und so geschah es, daß der Lachende weinte - vor Zorn und Sehnsucht weinte Zarathustra bitterlich

Mit diesem Auszug aus "Also Sprach Zarathustra" von Friedrich Nietzsche beende ich meinen Bericht. Ob Sie diesen nun einfach so gelesen haben, oder als Ratgeber für eine eventuelle Tour in die Berge, kann ich jedem, der die Stille, die Ruhe, die Bescheidenheit aber auch irgendwo die Rauheit liebt, sofern er kann, diese eigene Welt, die der Berge, empfehlen. Natürlich hat jeder so seine Orte der Kraft, der Ruhe, und für manche ist es vielleicht auch ein Stand, oder Dünen...Wer aber noch auf der Suche nach seinem "Umfeld" ist, der sollte einmal eine Tour in die Berge versuchen...

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P.S. Falls Sie sich fragen, warum der Bericht so detailiert und lang ausfällt; nun, erstens ist es irgendwie meine Art, ich bin ein Mensch der dem Detail zugeneigt ist und ich so mein Erlebnis selbst nochmal durchleben kann, und das, auch wenn es schon viele Jahre her ist...Klar, vielleicht gibt es Menschen, die so etwas jede Woche machen und für die so etwas nichts besonderes ist, aber ich schätze mir diese Erfahrungen einfach unheimlich und möchte sie auch eben gerne teilen. Zweitens können vor allem ausrüstungsbezogene Angaben nützliche Informationen für die Planung einer solchen Tour enthalten. Und Drittens brauche ich mich vor Ihnen nicht zu rechtfertigen...ach so, das mache ich ja gerade freiwillig ;)
Außerdem möchte ich hinzufügen, dass dieser Artikel -so wie alle andere- weniger die Absicht hat, mich selbst zu profilieren, sondern vielmehr Erlebnisse, Erfahrungen und all dies zu teilen...Not showing but SHARING!