Montag, 18. Januar 2010

Onlinesucht

Ich habe ein ganzes Wochenende lang nichts anderes gemacht, als geschlafen und vor dem Computer gesessen, und das obwohl ich eigentlich ein ganzes Wochenende lang was zu tun hätte. Und meine Pflichten werden in der zweiten Nachthälfte (wie Sie sehen, es ist eh wieder 01:44) mit jeder Menge Schlafmangel als Folge erledigt.
Das ist leider nicht das erste Mal, das geht nun schon ein gutes dreiviertel Jahr so.
Mir scheint,  in meinem Fall ist es eine Art der unterbewussten Projektion (Projektion nach Freud).
Hier ist mit Projektion gemeint, dass der Leistungsdruck, der derzeit seitens der Schule extrem hoch ist, durch Ablenkung "bewältigt" oder vergessen wird. Mein Unterbewusstsein bildet mir mit dem Surfen eine nicht belastende Beschäftigung. Es projiziert mir sozusagen mit den Beschäftigungen im WWW  "Aufgaben" und versieht diese mit unterbewusst höherer Priorität, als die Pflichtaufgaben (Beispiel "Ah...dieses Video will ich mir auch noch ansehen...dann dieses...und dann dieses...und dann geh ich lernen...).
Dass das Internet definitiv eine Droge sein kann zeigt sich hier:

Bin ich erstmal online, ist es wie in einem Rausch. Man denkt nicht an das, was man noch alles zu tun hätte (und wenn doch, dann denkt man sich "ach, das wird sich schon irgendwie ausgehen") ist eigentlich ziemlich glücklich und lacht und ist sich auch der Sinnlosigkeit vieler Sachen nicht bewusst. Manchmal kommt es sogar vor, dass man "einfach vor dem Computer ist, um vor dem Computer zu sein" (wie es Sintwolf so treffend beschrieb).
Nüchtert man dann aber aus bzw. schaltet man den Computer dann -meist aus zwingenden Gründen- aus, ist man erst einmal richtig down, vergleichbar mit einem Kater.
Das schlechte Gewissen plagt einen und man kriegt ziemlichen Stress und Panik, weil mein ja noch so viel zu tun hat. Als letzte Phase kommt dann "Ab morgen werde ich meine Onlinezeit einschränken"...
In der selben Nacht noch guter Dinge und motiviert für eine komplette Abstinenz, ertappt man sich am nächsten Nachmittag wieder auf YouTube & Co.
Man kann das Internet natürlich auch sinnvoll nutzen, und die sinnvolle Nutzung ist meist auch viel weniger zeitaufwendig, genauso wie der moderate Konsum von Alkohol unschädlich ist (ob er sogar gesund sein kann, sei dahingestellt).
Zur sinnvollen Nutzung gehören meiner Meinung  nach in erster Linie natürlich alles was man für Arbeit oder Schule macht (machen muss), etwas in den Blog schreiben (solange dies nicht zur twitteresken Selbstdarstellung ausartet bzw. zum Cybereyhibitionismus) sowie alles was wirklich dann auch den Hobbys entspricht (in meinem Falle Fotos bearbeiten, in Wikipedia stöbern, ...).
YouTube sollte mit Vorsicht genossen werden.
Bezüglich Facebook  & Co. kann ich nur auf de Artikel von Sintwolf verweisen: Soziale Netzwerke - eine Feindschaftsgeschichte

Nundenn, ich will das Thema nicht weiterhin erörtern, dafür ist es mittlerweile wirklich zu spät (Uhrzeit).
Ich möchte diesen Philosophieblog auch nicht unbedingt für ein Tagebuch oder eben besagte Selbstdarstellung zweckentfremden aber dennoch, als kleine Motivation für meine Leser und mich selbst, werde ich ab morgen (auch wenn ich das seit einem halben Jahr sage) einfach eiskalten Entzug versuchen und über erste Erfolge berichten.
Das bedeutet, ich werde versuchen, ab morgen das Internet nurmehr möglichst sinnvoll zu nutzen, also keine sinnlosen YouTube-Videos, keine langen Aufenthalte in Communities, kein "einfach irgendwas vor dem Computer machen" und kein "Alle 5 Minuten überprüfen ob es da und da etwas Neues gibt" mehr!
Als zusätzlichen Ansporn habe ich mir, Pi mal Daumen, meine gesamte Onlinezeit bei YouTube ausgerechnet, die mittlerweile gute 50 Tage (bei durchschnittlich 2,5 Minuten pro Video) betragen dürfte. Okay, ich habe von WoW-Spielern gehört, die eine Onlinzeit von einem halben Jahr und mehr haben, aber für mich sind 50 Tage bereits verdammt viel.

Das ist der letzte Versuch, ansonsten werde ich Hilfe aufsuchen.

3 Kommentare:

  1. ich denke,dass vielen so geht!
    ich bin da auch keine Ausnahme :(
    "gerettet" hat mich nur das, dass in China YouTube, Blog, Facebook & Co gesperrt(blockiert) sind. Man kommt nur über halbillegalen Umwege rein, und i-net deshalb sehr sehr langsam ist, dass man einfach kein Nerv hat irgendwelchen Seiten, die nicht unbedingt wichtig sind, anzuschauen... Ist noch nicht ganz klar, aber jetzt soll übrigens Google auch aus China verschwinden.
    Und so hab ich mich n u r für den Blog entschieden (ok, msn (nicht blockiert) hab ich auch, dient aber nur als Fotosaustausch und ein bisschen quatschen mit Freunden aus Dt)...

    den Artikel von Sintwolf fand ich auch sehr gut!

    Gib es nicht nach in deinem Versuch! Wenn das Nachgeben zur Gewohnheit wird, wird es zum Charakter und zum Schicksal.

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  2. @ Tori: letztere Zeile hat mir zu denken gegeben
    verdammt wahr

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  3. .. lies mal diesen coolen Ratgeber - der holt dich da wieder raus:
    http://computerspielsucht.blogspot.com .
    (mich hat er jedenfalls rausgeholt)

    Henrik

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