Sonntag, 1. November 2009

Was ist Zufall? Generierte Wahrscheinlichkeit? (*)

Jeder weiß, was Zufall ist, und doch weiß es keiner. Fragen Sie doch mal jemanden spontan, was er sich denn unter Zufall vorstelle bzw. wie er es denn definiert. Mit Sicherheit wird der Befragte lange nachdenken müssen.
Mir selbst bereitete es auch Kopfzerbrechen.
Was ist denn nun eigentlich Zufall?
Angenommen man hat eine Urne mit 99 schwarzen und einer weißen Kugel (die Zahlen sind zum besseren Verständnis so gewählt). Laut uns ist es wahrscheinlicher (99%) eine schwarze Kugel zu ziehen, aber dennoch gibt es die Möglichkeit, eine weiße Kugel zu ziehen. Und im Prinzip –besser gesagt in der Quantenphysik – haben wir für die weiße Kugel eine Wahrscheinlichkeit von 50%, da
1.)Selbst nach 1000mal hintereinander Schwarz ziehen wird die Wahrscheinlichkeit für weiß nicht höher (und umgekehrt).
2.)Es gibt zwei Farben.
Angenommen man greift nun mit der Hand in o.g. Urne. In der Quantenphysik hat man nun – ganz analog zu dem Gedankenexperiment mit Schrödingers Katze- solange man nicht hinsieht, bzw. „misst“ eine schwarz-weiße Kugel in der Hand. Erst wenn wir die Kugel ans Tageslicht befördern wird entweder schwarz oder weiß festgelegt. Und jetzt erst kommt die von uns definierte Wahrscheinlichkeit ins Spiel: Mit unserer Messung legen wir nun fest, ob schwarz oder weiß. Und da jeder vernünftige Mensch weiß, er wird viel eher eine schwarze Kugel in der Hand halten, legt er –vollkommen unbewusst- durch die Wechselwirkung der Quanten seines Gehirns mit denen der Kugel, fest, dass sie schwarz ist.
Nachdem 99-mal hintereinander schwarz gekommen ist, müsste laut dem Probanden nun der Fall eintreten, dass die Kugel weiß ist. Allerdings ist die wirkliche, von uns definierte Wahrscheinlichkeit, dass nun weiß eintritt, nicht höher geworden, selbst nachdem 990 mal hintereinander Schwarz gekommen ist. Der vernünftige Mensch denkt sich nun aber, jetzt muss mindestens zehn Mal hintereinander Weiß kommen. Und es bestätigt sich. Der Mensch verursacht sich also seine Wahrscheinlichkeit. Aufgrund der Nichtlokalität in der Quantenphysik gibt es in selbiger auch keine Wahrscheinlichkeit, da nicht ein einziger Fall eintreten muss, sondern auch mehrere zugleich. Daher hat man in der Quantenphysik bei 5 verschiedenen Farben, eben eine Kugel mit 5 verschiedenen Farben in der Hand.
Der Wissenschaftler könnte sich nun aber denken, er widerlegt das, indem er einfach als Probanden (damit ist der gemeint, der die Kugeln zieht) einen Menschen verwendet, der von Wahrscheinlichkeit null Ahnung hat, sprich, der nicht weiß, er wird viel eher eine schwarze Kugel in der Hand halten, z.B. ein Kleinkind. Er lässt das Kind mit der Urne allein und zeichnet das Experiment auf Video auf.
In der Quantenphysik ist nun theoretisch auf dem Video ein Kleinkind mit einer schwarz-weißen Kugel. Allerdings verursacht der Wissenschaftler durch das Ansehen des Videos einen Zufallskollaps und legt eine Farbe fest, da er ja (auch wenn es unterbewusst ist) weiß, das Schwarz viel öfter vorkommen muss.
Als letzten Ausweg denkt sich nun der Wissenschaftler aus, das Kind einfach zu befragen, welche Kugel es denn nun gezogen hat…
Allerdings müsste er auch hier einen Zufallskollaps verursachen.
Was passiert nun, wenn wir etwas „dem Zufall überlassen“? Ist es einfach nur das Ablegen jeglicher Willkür?
Das faszinierende am Zufall ist, dass er die einzige uns bekannte Sache ist, die keine Ursache hat – zumindest nicht direkt.
Bei einem „reinen“ Zufall (den es ohnehin nur in der Theorie gibt) ist die Frage nach der Ursache bei einem Ergebnis irrelevant.
Angenommen, ich habe einen klassischen Spielwürfel. Dieser ist so optimiert, dass wirklich jede Zahl die gleiche Chance hat (ist dies nämlich nicht der Fall, so erhöht sich z.B. für die 6 die Wahrscheinlichkeit, da dort ein Materialfehler vorliegt, und der Würfel auf dieser Seite minimal schwerer ist – hier kann man also auf die Antwort „WARUM ist die Sechs gefallen?“ „Weil der Würfel dort schwerer ist“), dann kann ich auf die Frage „WARUM ist diese Zahl gefallen?“ nur auf eine indirekte Ursache, die aber für alle sechs Zahlen gilt, antworten. Ich antworte also „Einfach so. Zufall eben.“  Der Zufall hebelt zumindest das erste Warum – das Warum, welches nach einer Ursache fragt, aus.
Auf das zweite Warum – der Frage nach dem Zweck – sofern es ihn überhaupt gibt – haben wir keinen Zugang.

Wir müssen also Klar zwischen der Frage nach der Ursache und dem Zweck unterscheiden.
Angenommen, ich breche auf einer Schneedecke durch. Nun frage ich „Warum bin ich durchgebrochen?“ das erste Warum führt uns zu einer indirekten Wie-Frage („Wie konnte es passieren, dass ich eingesunken bin?“) und kann mit eine Ursache beantwortet werden. Die Ursache ist hier, dass die Schneedecke nicht mehr fähig war, das Gewicht zu tragen, DESHALB bin ich eingesunken. Die zweite Warum-Frage fragt nach dem Sinn, dem Zweck – „Warum bin ich denn überhaupt eingesunken? Wozu soll das gut sein?“. Das Problem hierbei ist, dass wir nicht wissen, ob es denn überhaupt einen Sinn, einen Zweck geben muss.
Und hier gelangen wir auf den schmalen Grat zwischen Schicksal und Zufall…

Klar ersichtlich ist das Vorhandensein eines Zwecks beispielweise bei folgender Situation:
Person A schlägt Person B, nachdem Person A Person B (unbewusst oder nicht beabsichtigt) gekränkt hat. Nun fragt Person A: „Person B, warum hast du mich geschlagen?“ Nun läuft es auf zwei Antworten hinaus. Die Ursache für das Schlagen war, dass sich Person B gekränkt gefühlt hat und dadurch entweder an Person A Rache ausüben wollte, oder ihr einfach zeigen, dass Person A sie gekränkt hat bzw. sie das nicht mag. Der Zweck, der Sinn des Schlagens liegt darin, Person A zu ermahnen, es nicht mehr zu tun, oder einfach um seine Rache auszuführen.

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