Sonntag, 1. November 2009

Der Mensch – Herdentier oder Einzelgänger?

Herdentier! So lautet letztendlich meine Antwort. Der Mensch braucht und sucht soziale Nähe.
Auch wenn gewisse kognitive Fähigkeiten wie z.B. der Überlebensdrang und –Wille, das Lernen, das Planen, die Orientierung würden es zwar dem Menschen auch alleine zu überleben, doch dies rein auf physischer Ebene.
Das Phänomen des Deprivationssyndroms –besser unter dem Namen Hospitalismus bekannt – zeigt aber nur zu gut, dass der Mensch Fürsorge und soziale Nähe extrem wichtig sind.
Außerdem ist bewiesen worden, dass Kinder unter 3 Jahren (durchschnittlich) keinen Willen / keine Fähigkeit zur Kooperation mit anderen Menschen haben.
Ist das Zusammenhelfen bei Problemlösungen also ein von der Gesellschaft aufgedrängtes Verhalten, oder entwickelt es sich von Natur aus ab einem gewissen Alter als artspezifische Verhaltensweise/"Überlebensinstinkt"?

Einzelgänger entstehen erst durch die Herde; entweder unwillkürlich, indem man von der Herde ausgegrenzt wird, oder eben willkürlich, indem man sich bewusst abgrenzt. Selbst introvertierte Menschen –fürwahr ich bin selbst einer – brauchen soziale Nähe; und in manchen Fällen vielleicht sogar noch dringender als extrovertierte.

Nicht auslassen darf man hier natürlich die bekannte Anekdote über Friedrich II, der ja angeblich ein Experiment durchführte, in dem Säuglinge ohne jegliche emotionale Zuwendung aufwachsen sollten (die Ammen durften die Säuglinge nur physisch versorgen). Daraufhin seien diese aber verstorben. Ob dieses Experiment tatsächlich stattgefunden hat, ist ungeklärt und auch wenn, so wird man mit Sicherheit damit rechnen müssen, dass keine optimalen Versuchsbedingungen vorhanden waren. Gut möglich, dass die Säuglinge auch – wie gesagt; falls das Experiment stattgefunden hat – zusätzlich von den mangelhaften hygienischen Bedingungen bereits geschwächt waren.
Angeblich gab es auch ein ähnliches Experiment mit Tieren. Aber hier geht es ja hauptsächlich um den Menschen. Aber man konnte immer wieder z.B. an Waisenkindern bzw. Heimkindern beobachten, dass viele von ihnen unter psychischen Störungen litten, da aufgrund der damals besonders großen Menge an Kindern im Waisenhaus Quantität vor Qualität ging, diese also nur physisch versorgt werden konnten. Der Mensch braucht also zumindest in seiner Kindheit Zuwendung auf emotionaler Ebene. Was ist aber danach? Wie lange könnte ein Erwachsener isoliert überleben? Das besonders Kinder auf diese emotionale Zuwendung angewiesen sind, ist meiner Meinung nach, wieder ein Instinkt, oder sagen wir besser eine angeborene Verhaltensweise (Instinkt ist ja ein zunehmend unorthodoxer Begriff), da Kinder – ganz speziell Kleinkinder und Säuglinge – nicht die körperlichen Voraussetzungen für ein alleiniges bzw. eigenständiges Überleben in der Natur haben. Jugendliche und Erwachsene haben aber diese körperlichen Voraussetzungen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob und wie lange diese isoliert überleben können.
Und an dieser Stelle bin ich mit meinem Latein am Ende.

P.S. Ich möchte vielleicht mal ein Buch schreiben, über einen Menschen, der keine soziale Nähe braucht.

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